Sozialstaat: Vom Anspruch zur Inanspruchnahme

Armut

Die Nicht-Nutzung von Sozialleistungen ist in Deutschland weit verbreitet und betrifft zahlreiche Leistungsbereiche. Während je nach Studie 37 bis 56 Prozent der Anspruchsberechtigten keine Grundsicherung für Arbeitsuchende beantragen und rund 60 Prozent auf die Grundsicherung im Alter verzichten, liegt die Nicht-Nutzungsquote bei Bildungs- und Teilhabeleistungen für Kinder und Jugendliche sogar bei über 80 Prozent. Die Ursachen liegen häufig nicht in mangelnder Motivation, sondern in komplexen Antragsverfahren, unklaren Zuständigkeiten, bürokratischen Hürden sowie Scham- und Stigmatisierungserfahrungen. Dadurch bleiben soziale Rechte oft nur auf dem Papier bestehen, während ihre praktische Umsetzung scheitert. Internationale Beispiele aus Frankreich und Finnland zeigen, dass vereinfachte Verfahren, vorausgefüllte Anträge und persönliche Beratung die Inanspruchnahme deutlich erhöhen können. Der Erfolg geplanter Sozialstaatsreformen wird daher maßgeblich daran gemessen werden müssen, ob sie den Zugang zu Leistungen erleichtern und die tatsächliche Nutzung sozialer Rechte verbessern.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite des Deutschen Instituts für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung unter:
https://difis.org/publikationen/publikation/86


Quelle: Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung

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