Von Überschuldung wird gesprochen, wenn die Höhe der Ausgaben und Verbindlichkeiten langfristig die Höhe der Einnahmen übersteigen. Die Aufnahme von Krediten gehört zum normalen Leben in einer Marktwirtschaft und kann unter gesicherten finanziellen Gegebenheiten sinnvoll sein. Probleme der Haushaltsführung sowie des Markt-, Konsums- und Kreditverhaltens können jedoch als Überschuldungsrisiken wirken. Je nach Definition schwankt die Zahl der überschuldeten Haushalte zwischen knapp unter bis weit über drei Millionen – exakte Angaben fehlen. Neueste Aussagen des aktuellen Schuldenreports der Verbände sprechen sogar von durchschnittlich 3 bis 4 Millionen überschuldeter Haushalte in Deutschland.
Ursachen von Überschuldung sind laut Aussage des 3. Bundesarmuts- und Reichtumsberichts 2008 neben einer Reihe anderer Faktoren vor allem Arbeitslosigkeit (29,6 %) sowie Trennung/Scheidung/Tod (13,1 %). Besonders gefährdet sind Alleinlebende, Alleinerziehende und Familien. Laut Aussage der Überschuldungsstatistik des Statistischen Bundesamtes sind in 36% aller Fälle Kinder von der Überschuldung betroffen. Eine Studie zur Überschuldung in Deutschland 2001 verweist darauf, dass die Lebenslage überschuldeter Haushalte sich oft mit der Lebenslage armer Haushalte deckt: Niedrigeinkommen, geringe Bildungs- und Berufsqualifikation oder Arbeitslosigkeit sind charakteristische Merkmale für die Lebenslage beider Haushaltstypen. Bei Haushalten mit Niedrigeinkommen kann der kleinere ökonomische Handlungsspielraum dazu führen, dass die Auswirkungen der o. g. kritischen Lebensereignisse zusätzlich verschärft werden: Eine Kreditaufnahme zur Überbrückung eines finanziellen Engpasses kann aufgrund geringer Ressourcen schneller in eine Überschuldung kippen.
|
 |